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Deutschland ist nicht vorbereitet auf Touristen aus China
01.02.2012 - 13:38 - Kategorie: Reiseveranstalter und Tourismusindustrie - (ptext)
Neue Reiselust der Chinesen rüttelt am Thron des Reiseweltmeisters Deutschland. Deutschland selbst ist als Reiseziel auf die Touristen aus dem Reich der Mitte nicht vorbereitet.
Im vergangenen Jahr haben Urlauber in Deutschland 27,4 Milliarden Euro ausgegeben. Für 2012 wird mit 28 Milliarden Euro gerechnet. Auch wenn noch der Großteil der ausländischen Urlauber aus den benachbarten Euro-Staaten kommt, der Anteil der chinesischen Touristen wächst gewaltig. Rund 60 Millionen Chinesen sind im vergangenen Jahr ins Ausland gereist. Das jährliche Wachstum dank steigender Löhne und einer stetig wachsenden Mittel- und Oberschicht liegt bei rund 20 Prozent. Schon heute belegt China damit den vierten Platz der Herkunftsländer im internationalen Tourismus.
Japanisch ist nicht Chinesisch und ein Chinese ist kein Japaner. Dies hat die deutsche Tourismusindustrie noch nicht verstanden. Weder die Städte noch Hotels und Gaststädten haben sich bisher auf die Touristen aus China wirklich eingestellt. Touristen aus China haben die meisten Probleme mit der Sprache und der Schrift. Nur sehr selten bieten Fluggesellschaften oder Hotels Informationen auch auf Chinesisch. Hinzu kommen andere Ess- und Trinkgewohnheiten, denen ebenfalls nur sehr wenige Hotels und Restaurants gerecht werden. Während mancherorts bereits zumindest in geringem Umfang bereits um die japanischen Touristen in Japanisch geworben wird, warten die Touristen aus der Volksrepublik hierauf noch vergeblich. Nicht jeder Chinese kann englisch, ein Umstand, der beim Werben den Gast berücksichtig werden muss. China ist schon heute auf dem vierzehnten Platz der Top 20-Quellmärkte für Deutschland nach Übernachtungen. Einen Platz vor Japan. Vollkommen außer Acht gelassen oder aufgrund bestehender Vorurteile werden die Gäste aus China als Wirtschaftskraft vernachlässigt. Gäste aus den arabischen Golfstaaten haben den Mythos, ungezügelt und grenzenlos einzukaufen. Dies mag in einigen Fällen auch zutreffen sein. Wer sich jedoch mit dem Kaufverhalten chinesischer Touristen näher beschäftigt, wird seine Denkweise gründlich überdenken müssen. China ist nicht nur der größte Markt für Luxusgüter, Chinesen kaufen auf Geschäfts- und Urlaubsreisen im internationalen Vergleich pro Kopf auch wesentlich mehr ein. Die Gäste aus China gehören zu den umsatzstärksten beim Tax-Free-Einkauf in Deutschland. 2010 betrug der Marktanteil 22,4 % am Gesamtumsatz bei einem Wachstum von gigantischen 90,3 % gegenüber dem Vorjahr.
Essen ist für Chinesen gesellschaftlich überaus wichtig und währen die westlichen Restaurants in China sich vor Gästen kaum retten können, finden sich chinesische Gäste nahezu nie in Restaurants in Deutschland, China-Restaurants einmal ausgenommen.
Nicht ohne Grund machen chinesische Reiseveranstalter mit Sitz in Deutschland das Geschäft mit den eigenen Landsleuten. Aus der Not eine Tugend machte dabei der Münchner Anbieter Kaiyuan (http://www.kaiyuan.de). Die Kaiyuan Information & Business GmbH bietet nicht nur Reisen, sondern bildet zwischenzeitlich auch eigene Reiseleiter aus und berät als Dienstleister auch Unternehmen und Städte im Umgang mit den Gästen aus der Volksrepublik.
In Deutschland leben nach Angaben des Statistischen Bundesamtes über 80.000 Chinesen. Die Mehrheit der in Deutschland lebenden Chinesen ist erst seit einer Generation in Deutschland ansässig. Es sind Wissenschaftler, Mediziner, Studenten und Geschäftsleute. Sie sind nicht nur in der Gastronomie, sondern auch in der Medizin, Forschung, im Computerwesen, in der Kunstszene sowie im Im- und Export zu finden. Sie alle machen auch indirekt Werbung für Deutschland und stellen neben den Vietnamesen in Deutschland die größte ostasiatische Minderheit in Deutschland. Ein Potenzial, das in Deutschland noch nicht einmal im Ansatz verstanden wurde.
Die wichtigsten 10 Städte haben einen Marktanteil von fast 40 % an allen Übernachtungen von ausländischen Gästen in Deutschland. Nur die Hälfte davon hat einen Internetauftritt in chinesischer Sprache. Andere Städte haben oftmals keine Informationen in chinesischer Sprache im Internet oder begnügen sich damit nur Teile des Internetauftrittes zu übersetzen. Es verdeutlicht, wie weit entfernt die deutsche Tourismusindustrie vom Gast aus China ist. Von den 30,3 Millionen Ausländerübernachtungen in Deutschland haben diese jedoch schon heute einen Anteil von knapp 3,5 Millionen und der jährliche Zuwachs beträgt 33 %. China wird für Deutschland mittelfristig der wichtigste Quellmarkt in Asien und so rechnet selbst das Statistisches Bundesamt mit einer Verdopplung der Gäste bis 2020. Das Riesenreich China erwacht und Deutschland schläft. Rund 3,8 Millionen Chinesen führt es 2010 auf einer Reise nach Europa. Über Zweidrittel der Umsätze gingen an Deutschland vorbei.
Auch der Münchner Reiseveranstalter Kaiyuan (http://www.kaiyuan.eu) hat auf der Basis der Kundenbuchungen eine Statistik veröffentlicht. Die Internetseite www.kaiyuan.de zählt für Chinesen in China zu den beliebtesten Internetseiten zum Thema Deutschland. Das beliebteste Reiseziel in Deutschland ist für Chinesen die Stadt München. Danach folgen das Schloss Neuschwanstein, Köln, Stuttgart, Metzingen, Heidelberg, Berlin, Baden Baden, Hamburg und Frankfurt.
Auch europaweit ist Deutschland anhand der von Kaiyuan (http://www.kaiyuan.de) ermittelten Daten an erster Stelle. So schafft es auch hier die bayerische Metropole München auf den ersten Platz. Danach folgen Amsterdam, Brüssel, Paris, Luxemburg, Zürich, Innsbruck, Salzburg, Wien, Prag Venedig und Rom.
Deutschland liegt bei den beliebtesten Reiseländern auf Platz 8. Bei den Quellregionen des Incoming-Tourismus konzentriert sich die deutsche Tourismusindustrie noch immer auf Europa und die USA. Dass die asiatischen Staaten mit neun Prozent aber gerade einmal nur einen Prozentpunkt hinter den USA liegen, bleibt anscheinend unbemerkt.
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