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Lichtenrade kann aufatmen: „Flugrouten geradeaus“ empfiehlt die Flugsicherung
05.07.2011 - 21:10 - Kategorie: Luftfahrt - (ptext)
Berlin-Schönefeld, 4. Juli 2011 Die Deutsche Flugsicherung (DFS) hat der Fluglärmkommission (FLK) ihre Anflug- und Abflugrouten für den neuen Flughafen Berlin-Brandenburg (BER) „Willy-Brandt“ vorgestellt. Danach kann Lichtenrade aufatmen!
Die Abflugrouten von der Nordbahn in Richtung Westen sollen, wie in den ursprünglichen Planungen versprochen, geradeaus an Lichtenrade vorbeigeführt werden. Die abknickende Flugroute gleich nach dem Start, die die DFS wegen der Parallelstarts im Herbst letzten Jahres vorgeschlagen hatte, scheint vom Tisch zu sein.
Die Lichtenrader BI ist zufrieden!
Simon Lietzmann, der Vorsitzender der BI "Lichtenrade/Mahlow-Nord gegen Fluglärm" e.V., äußert sich erleichtert: „Somit ist der eigentliche Anstoß unseres Protestes, nämlich der Flugrouten-Entwurf der DFS vom 6. September 2010, nach dem Lichtenrade und Mahlow-Nord plötzlich einer massiven Verlärmung ausgesetzt werden sollten, vom Tisch. Unsere Kernforderung nach einem geraden Verlauf der Abflugroute von der Nordbahn in Richtung Westen ist erfüllt. Und wir sind davon überzeugt, dass auch das Bundesamt für Flugsicherheit (BAF) in seiner noch ausstehenden Rechtsverordnung dem Konzept der DFS folgen und dass der Flughafen im kommenden Jahr auch tatsächlich mit dieser geraden Abflugroute in Betrieb gehen wird.“
Was sagt die Deutsche Flugsicherung?
Die Vorschläge der Fluglärmkommission wurden von der Flugsicherung aber nur teilweise gefolgt, zumal sich laut DFS einige Empfehlungen widersprachen. Die DFS betont: „In wenigen Fällen konnte den Wünschen der FLK aus Sicherheitsgründen und aus betrieblichen Gründen nicht gefolgt werden, da ansonsten die Flughafenkapazität, die sich aus dem Planfeststellungsbeschluss ergibt, nicht erreicht würde.“ Die Flugsicherung hat ihr Konzept dem Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) als Entscheidungsinstanz zugeleitet. Das BAF wird in den nächsten Monaten, vermutlich endgültig im Januar 2012, entscheiden.
Der Leiter der Berliner Flugsicherung, Hans Niebergall, lobte die aus seiner Sicht intensive und konstruktive Zusammenarbeit und bedankte sich dafür bei der FLK. Die DFS habe den gesetzlichen Auftrag, den bestehenden und entstehenden Luftverkehr sicher, geordnet und flüssig abzuwickeln und zugleich die Menschen vor unzumutbarem Fluglärm zu schützen. „Wir haben uns bemüht, so wenig Menschen wie möglich mit so wenig Lärm wie möglich zu belasten“, so Niebergall. „Zugleich müssen wir das im Planfeststellungsbeschluss genehmigte Verkehrsaufkommen durch entsprechende Routenführungen gewährleisten.“ Vorgestellt wurden die An- und Abflugrouten für beide Betriebsrichtungen. Sowohl bei Betriebsrichtung 25 (Westwetterlage) als auch bei Betriebsrichtung 07 (Ostwetterlage) gibt es Abflugrouten für Flugzeuge, die relativ schnell an Höhe gewinnen und für solche, die langsamer steigen, wie zum Beispiel Langstreckenflugzeuge. Die dem BAF vorgeschlagenen Routen finden Sie hier (PDF). Auf den dargestellten Karten sind sowohl die durchschnittlichen Höhen angegeben als auch die Routenbelegung, also welche Route von wie vielen Flugzeugen genutzt wird.
Fliegerlatein der DFS
Zur sogenannten Betriebsrichtung 25 (Abflug in Richtung Westen) heißt es im „Fliegerlatein“: „Hier hat die DFS für den Anfangsteil die Alternative 4 vorgeschlagen. Danach würden die Flugzeuge nach dem Start zunächst geradeaus fliegen entlang der verlängerten Bahnachse in westlicher Richtung mit einem Kurs von 246° über die Navigationsanlage NDB MW. Danach erfolgt eine leichte Rechtskurve auf einem Kurs von 261° in westlicher Richtung zwischen Ludwigsfelde und Großbeeren hindurch bis zum Erreichen eines Abdrehpunktes, der sich circa drei Kilometer nord-nordwestlich von Ludwigsfelde befindet. Hier kann die Rechtskurve in Richtung des Navigationspunktes NOOST zwischen Berlin und Potsdam hindurch eingeleitet werden, sofern das Flugzeug in der Lage ist an diesem Punkt eine Höhe von mindestens 5.000 Fuß über NN (Normal Null) zu erreichen. Um eine möglichst hohe Spurtreue zu erzielen, wird den Piloten im Anfangsbereich eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 230 Knoten (ca. 410 km/h) auferlegt.
Diese Route werden voraussichtlich circa 48 Flugzeuge pro Tag nutzen. Am Punkt NOOST verläuft die Route dann weiter Richtung Navigationspunkt GERGA. Zur weiteren Entlastung der Bevölkerung ist die Route über NOOST nach DEMSI für Propellerluftfahrzeuge vorgesehen.“
Was bedeuten die Flugrouten konkret?
Konkret bedeutet dies für die Nordstartbahn mit Abflug in Richtung Westen, dass Blankenfelde neben den Landungen auch beim Geradeaus-Abflug im starken Maße belastet wird. Hinter Blankenfelde soll die Flugroute leicht nach Norden abknicken. Wenn die Flugzeuge hinter Ludwigsfelde eine Flughöhe von 1.525 Meter (5.000 Feet) erreicht haben und in Richtung Norden bzw. Nordosten fliegen, splitten sich die Flugrouten. Durch diese Spreizung der Flugrouten erhofft man sich eine gleichmäßigere Verteilung des Lärms in Kleinmachnow, Teltow und im Südwesten von Berlin. Durch diese Verteilung sieht sich Kleinmachnow und Teltow besonders belastet. Potsdam soll bei dem jetzigen Vorschlag entlastet werden, da die Flugzeuge vorher abknicken oder die wenigen schweren Maschinen Potsdam großräumig umfliegen. Aber auch die südlichen Berliner Bezirke, einschließlich Teile von Lichtenrade, werden von dieser Spreizung betroffen sein. Hier haben die Flugzeuge dann aber schon eine Höhe von circa 2.500 Meter und mehr erreicht. Bei Starts in östlicher Richtung ist zum Beispiel das Naherholungsgebiet rund um den Müggelsee stark belastet.
Berliner Politiker sind zufrieden
Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), die Grünenpolitikerin Renate Künast und der CDU-Spitzenkandidat Frank Henkel, die alle auch bei den Montagsdemonstrationen in Lichtenrade angetreten waren, begrüßen als Kompromiss die Empfehlung der Flugsicherung. Für Dr. Jan-Marco Luczak, den Bundestagsabgeordneten von Tempelhof-Schöneberg, war dabei eines immer klar: „Die Menschen haben sich auf das verlassen, was bei den Flugrouten im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens zugrunde gelegt wurde. Dieses Vertrauen durfte nicht enttäuscht werden!“ Nach der heutigen Vorstellung der DFS-Flugrouten freut sich der Lichtenrader Luczak: „Unser Einsatz war erfolgreich; von der Nordbahn wird geradeaus gestartet und Lichtenrade von Fluglärm verschont! Auch wenn der Vorschlag formal nicht bindend ist, hat er ein sehr hohes rechtliches und politisches Gewicht; deswegen bin ich der festen Überzeugung, dass er jetzt auch vom Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) so umgesetzt wird.“ Luczak betont weiterhin, dass dieser Erfolg nur möglich war durch ein Zusammenwirken der Menschen in Lichtenrade, der Bürgerinitiative „Lichtenrade/Mahlow-Nord gegen Fluglärm“ und der Politik. „Das sollte Vorbild auch für andere Bereiche sein!“, so Luczak.
Zu den heute präsentierten neuen Flugrouten für den Flughafen BER erklärte der Stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Wahlkreisabgeordnete von Nikolassee/Wannsee, Michael Braun (CDU): Für den Südwesten Berlins bedeuten die neuen Pläne, dass nur noch bis zu 60 Flugzeuge, und zwar jene mit Ziel gen Osten oder Norden, über die Stadtgrenze in den Südwesten einfliegen, gefächert, sodass die einzelnen Ortsteile mit 10 bis 20 Flügen pro Tag belastet sind. Die Flugzeuge fliegen über den Südwesten in einer Höhe von mindestens 8.000 bis 10.000 Fuß. Die Pläne sollten jetzt sorgfältig und emotionsfrei geprüft werden. Sollten Nachjustierungen erforderlich werden, bin ich sicher, dass diese vorgenommen werden."
Klaus-Peter von Lüdeke, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und verkehrspolitischer Sprecher, und Christoph Meyer, Fraktionsvorsitzender der FDP-Fraktion Berlin, erklären zu den vorgestellten Flugrouten: „Die heute vorgestellten Flugrouten für den BER sind als erster Teilerfolg zu werten. Der Einsatz der Bürgerinitiativen hat sich hier ausgezahlt. Die Vorschläge der Deutschen Flugsicherung können aber sicherlich nicht alle Betroffenen zufrieden stellen…Die endgültigen Flugrouten werden erst kurz vor Eröffnung des BER festgelegt, bis dahin hat die Flugsicherung Zeit eine optimale Lösung für alle zu finden. Bei aller Kritik darf aber nicht vergessen werden, dass ein zukunftsfähiger BER ein notwendiger Garant für eine wirtschaftlich starke Region Berlin-Brandenburg ist.“
Unter der Überschrift „Flugroutendiskussion: Ja! Flughafenhysterie: Nein Danke!“ meldeten sich jetzt auch die Betriebsräte und die Jugend- und Ausbildungsvertretung der Berliner Flughäfen zu Wort. In der Erklärung heißt es: „Wir hoffen auf einen Schlussstrich unter eine Diskussion, die wir zuletzt mit großem Unverständnis verfolgt haben. Der Flughafen BER ist nicht nur für uns Mitarbeiter der Flughafengesellschaft, sondern für die gesamte Region das wichtigste Zukunftsprojekt.“
Was bleibt dann noch für die Bürgerinitiativen zu tun?
Eines scheint schon ein Tag nach der Veröffentlichung der Empfehlung der DFS klar zu sein: die Diskussionen über die Flugrouten ist noch nicht vorbei und die vielen Flughafengegner, die lautstark einen Baustopp und/oder einen neuen Standort fordern, sind nicht zufrieden. Auch steht eine endgültige Entscheidung zum geforderten absoluten Nachtflugverbot durch das Bundesverwaltungsgericht noch aus.
Aus dem Büro von Renate Künast (Bündnis 90/Die Grünen) wurde der Bürgerinitiative Marienfelder Feldmark erklärt: „Wir treten klar für ein wirksames Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr am neuen Flughafen Willy Brandt ein. Hierzu haben wir uns immer klar, auch in unserem Wahlprogramm, geäußert. Um darüber hinaus auch einen ökonomischen Anreiz für einen anwohnerfreundlichen Flugbetrieb zu setzen, fordern wir, dass die Start- und Landegebühren tageszeitabhängig gestaffelt werden und deutlichere Anreize für lärm- und schadstoffarme Flugzeuge gesetzt werden. Auch die grüne Bundestagsfraktion setzt sich dafür ein, dass §29b Luftverkehrsgesetz nicht zum Nachteil der Lärmbetroffenen geändert wird, denn wir halten es für unverzichtbar, dass der Nachtflugbetrieb zum Schutz der Anwohner/innen weiterhin beschränkt werden kann.“
Viele Lichtenrader können jetzt etwas beruhigter in den Urlaub gehen. Der breite bürgerliche Protest war erfolgreich. Simon Lietzmann von der Lichtenrader Fluglärm-BI bedankt sich bei den Unterstützern merkt aber noch an: „Trotz dieses Erfolges für unsere Region und für unsere Bürgerinitiative bleiben andere Forderungen noch offen: Hierzu zählen vor allem das Nachtflugverbot von 22.00 bis 06.00 Uhr und deutlich bessere Entschädigungsleistungen und Lärmschutzmaßnahmen für die am schwersten Betroffenen. Diesen Forderungen wird unsere Bürgerinitiative auch in Zukunft mit aller Kraft nachgehen.“
Thomas Moser -BerLi-Press (www.berli-press.de) für www.lichtenrade-berlin.de
Weiterführende LINKS:
Deutsche Flugsicherung/vollständige Stellungnahme/Präsentation: http://www.dfs.de/dfs/internet_2008/module/presse/deutsch/presse/presseinformation/2011/dfs_praesentiert_flugrouten_fuer_bbi_4_7/index.html
Zuständiges Brandenburger Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft/diverse Informationen: http://www.mil.brandenburg.de/sixcms/detail.php/468420
Lichtenrader BI gegen Fluglärm: http://www.lichtenrade-gegen-fluglaerm.de
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„BerLi-Press“ veröffentlicht aktuelle lokale Ereignisse, Rezensionen von bezirklichen und überregionalen Kulturveranstaltungen (z.B. ufaFabrik, Neuköllner Oper) aber auch Berichte von großen Berliner Konzerten (z.B. in Zusammenarbeit mit Semmel-Concerts). BerLi-Press dokumentiert teilweise auch fotografisch die Ereignisse im Zusammenhang mit seinen schreibenden Arbeiten.
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